proroll bleibt am Puls der Zeit2018-06-20T14:47:14+00:00

proroll bleibt am Puls der Zeit

Der Weg in die Zukunft, er beginnt für Stefan Fornahl in der Vergangenheit. Wenn der geschäftsführende Gesellschafter der Firma Proroll über seine Art zu arbeiten und sein Rezept für die Zukunft spricht, fühlt man sich schon mal in die “gute, alte Zeit” zurückversetzt. “Ich möchte jedem auf Augenhöhe begegnen, egal ob Kunde, Lieferant oder Mitarbeiter”, sagt Fornahl, bevor er über Partnerschaft, Zuverlässigkeit und “fairen und korrekten Umgang” spricht. Uralte Werte, die in manchen Unternehmen “bestimmt vergessen”, vielleicht sogar “geopfert” worden seien. “Aber meine Erfahrung zeigt, dass man damit am besten fährt.”

Fornahl, 51 Jahre alt, gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann, wirkt wie jemand, der ständig auf dem Sprung ist. “Ich bin eher so der Vertriebler-Typ”, sagt er über sich selber. Und: “Stillstand ist für mich Rückschritt.” In gerade mal 30 Jahren hat er aus einem kleinen Rollen-Händler in Remscheid, bei dem sein Vater 1986 als Sanierungsgesellschafter einstieg, einen Mittelständler mit fast 30 Mitarbeitern gemacht. 1999 zog das Unternehmen nach Hückeswagen um, wo man heute Rollen und Bürostuhl-Komponenten herstellt und europaweit vertreibt.

So etwas geht natürlich nur, wenn man immer am Puls der Zeit bleibt. Erst erweiterte Stefan Fornahl den reinen Handel um eine eigene Herstellung, später kamen die Bürostuhl-Komponenten dazu. Und immer wieder trugen Kunden neue Herausforderungen an die Firma heran. “Früher galt oft: Hauptsache, es rollt”, erinnert sich Fornahl. Heute seien die Anforderungen da wesentlich höher.

Für einen Kofferhersteller entwickelte Proroll eine optisch einzigartige Rolle, um das individuelle Design der Koffer abzurunden. Für einen Produzenten von Friseurzubehör eine Rolle, die sich besonders leicht ausbauen und reinigen lässt. “Der Kunde kam irgendwann auf uns zu und sagte, die Friseure würden sich immer beschweren, dass sich die Haare in den Rollen verfangen.” Also fand man eine Lösung. Und als vor gut fünf Jahren die Vorschriften für gesundheitsschädliche Weichmacher in Kunststoffrollen geändert wurden, hatte Proroll schon eine Lösung parat – seither fast liebevoll “Bio-Rolle” genannt. “Das Geschäft mit individuellen Produkten hat sich stark entwickelt”, sagt Stefan Fornahl. Der aktuelle Rollen-Katalog der Firma umfasse rund doppelt so viele Produkte wie noch vor zehn Jahren.

Doch das allein ist es nicht, weiß auch Marketing-Leiter Dirk Adler. “Viele unserer Produkte gibt es so ähnlich auch bei Marktbegleitern”, sagt er. “Da müssen wir uns schon mehr einfallen lassen, um unsere Kunden zu begeistern.” Service, Innovation, Variabilität zählt er auch. “Und manchmal müssen wir auch für unsere Kunden mitdenken.” Adler gefällt die amerikanische Sichtweise, statt nach “billig” lieber nach “Value”, also Mehrwert, zu fragen. “Die Frage ist doch: Was bekomme ich für mein Geld”, sagt er. “Und bei uns ist das ein Produkt, über das sich auch wirklich Gedanken gemacht wurde.”

Und das von ganz vom Anfang bis zur Auslieferung. “Wir besuchen unsere Lieferanten mehrmals im Jahr, auch die in China”, sagt Stefan Fornahl. “Das sind unsere Partner.” Auch die Liefer- und Transportwege habe man im Blick. Und natürlich die Arbeitsbedingungen am Hauptsitz in Hückeswagen. Gerade erst hat die Firma eine Photovoltaik-Anlage installiert, um zumindest tagsüber nur noch eigenen Strom zu verbrauchen (Fornahl: “Nachts laden wir die Stapler, dafür reicht es noch nicht.”). Ein eigenes QS-System sucht nach Schwachstellen in den Arbeitsabläufen, um Fehlerquellen auszuschließen. Und um im Team besser kommunizieren zu können, arbeitet Proroll seit Jahren mit einem Münchener Coach. Der schult die Mitarbeiter im so genannten Herrmann Brain Dominance Instrument, kurz: HBDI. Ein Modell, das davon ausgeht, dass sich der Denkstil eines Menschen in vier Quadranten abbilden lässt, und das auch in die Führungsetagen und Entwicklungsabteilungen großer Konzerne angewendet wird. So lassen sich Reibungsverluste bei Diskussionen minimieren.

Die Kunden, sind Stefan Fornahl und Dirk Adler überzeugt, spüren und honorieren diesen Aufwand. “Es gibt Kunden, die bestellen bei uns, ohne den Preis zu wissen”, sagt Fornahl. “Die wissen, dass wir sie nicht bekrücken.” Und was ein fast noch größeres Kompliment ist: “Viele sagen auch, dass sie einfach gerne bei uns anrufen.” Weil die Mitarbeiter freundlich seien. Und ihre Aussagen verbindlich. “Wir sind gewachsen durch Vertrauen”, ist Stefan Fornahl überzeugt. Noch so ein uralter Wert, der die Firma fit macht für die Zukunft.

Text: Sven Schlickowey
für Remscheider General-Anzeiger / Die Bergische Wirtschaft
Foto: Roland Keusch